Presse - Kleingarten HU

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Bericht über den Verein in der Segeberger Zeitung 31. Mai 2021

Statt Reisen gibt es Urlaub im Kleingarten
In HenstedtUlzburg ist keine Parzelle mehr frei
 
Von Nicole Scholmann, Segeberger Zeitung  (Text und Fotos)                                                   
 
HENSTEDT‐ULZBURG. „Es ist richtig schön, dass man sowas hat“, sagt Eddy Neumann und erntet am Sonntagmittag zusammen mit seinem viereinhalbjährigen Sohn Timur Radieschen und Frühlingszwiebeln. Seit 2019 bewirtschaftet Neumann zusammen mit seiner Familie eine Parzelle in der Kleingartenanlage des Vereins der Gartenfreunde Henstedt‐Ulzburg. „Wir wollten einfach die Natur genießen“, begründet Eddy Neumann das Interesse an einem Kleingarten. „So wie alle anderen auch“, erzählt der Henstedt‐Ulzburger, habe er im vergangenen Jahr den Urlaub im Kleingarten verbracht. Nur zum Schlafen, schmunzelt Eddy Neumann, sei er nach Hause gefahren. In der Corona‐Pandemie mit der eingeschränkten Reisemöglichkeit gab es damit für ihn und seine Familie eine Alternative zur sonst üblichen Reise.

Der Verein verzeichnet ein Drittel höheren Wasserverbrauch im vergangenen Jahr. Der schöne Sommer und die fehlenden Urlaubsreisen haben sich damit  gezeigt. Die Nachfrage nach den rund 400 Quadratmeter großen Gärten ist groß. „Alle 82 Parzellen sind verpachtet, es gibt eine Warteliste“, erzählt Vereinsvorsitzender Wolfgang Hellmann. Ein Kleingarten sei doch die beste Ausweichmöglichkeit, wenn man vielleicht nur einen Balkon zuhause habe, meint er. Hellmann ist ein Profi, was Recht und Ordnung im Kleingarten angeht. Aber als „Polizist“ sehen er und sein Vorstandskollege Michael Nitsche sich nicht.
 
Insgesamt sei es eine gute und friedliche Nachbarschaft in den beiden Anlagen an der Kisdorfer Straße kurz vor dem Ortsausgang von Henstedt‐Ulzburg. Man verstehe sich meist, das sehe in anderen Vereinen schon mal ganz anders aus. Natürlich müsse manchmal an die Regeln, die das deutsche Bundeskleingartengesetz vorschreibt, erinnert werden, dennoch klappe es im Großen und Ganzen prima. Die Pandemie hatte nicht nur Auswirkungen auf die Zahl der freien Parzellen gehabt (sie sind alle besetzt), sondern auch auf das Miteinander. „Die Gemeinschaft hat gelitten“, bedauert Hellmann. Einige Kleingärtner hätten sich  sehr zurückgezogen, seien gar ängstlich gewesen und hätten jeden Kontakt vermieden.
 
Der Vorstand setzt nun auch die entspanntere Stimmung, die langsam, aber sicher einkehre. Corona scheint im Griff zu sein. „Wir wollen in diesem Jahr ein Multi‐Kulti-Essen veranstalten“, gibt Michael Nitsche bekannt. Denn viele Nationalitäten seien inzwischen an Bord, von Osteuropäern bis zu Asiaten und Menschen aus dem Nahen Osten. Die kulinarischen Unterschiede könne man dann beim gemeinsamen Picknick erfahren und gleichzeitig den Gemeinsinn stärken. Ein bisschen Gemeinschaftsgefühl sei am vergangenen Sonnabend aufgekommen, als der Arbeitsdienst für alle angestanden hatte.
 
Gut 15 Personen beteiligten sich und brachten Wege und den Eingangsbereich auf Vordermann. Das freut Hellmann und Nitsche besonders. Seit gut fünf Jahren gibt es einen Generationswechsel in der Anlage. Viele Ältere geben ihre Gärten ab, junge Familien übernehmen und bringen Leben auf das Gelände. Viele Familien mit Kindern, so Michael Nitsche, haben das Kleingartenleben für sich entdeckt. Dabei ist ihm wichtig, dass die Gärten nicht zu einer reinen Freizeitfläche wird. Ein Drittel muss mit Obst oder Gemüse bewirtschaftet werden, ein weiteres Drittel mit Stauden – erst das letzte Drittel darf für Freizeit genutzt werden. Das sind die Gartenlaube mit Terrasse und die Rasenfläche. Diese Aufteilung sei wichtig, damit die Anlage nicht zum Campingplatz werde und damit ihren Sinn verliere.
 
Dennis Nebel hat vor gut einem Jahr eine ziemlich zugewucherte Parzelle übernommen. Die Idee war, seinen Bienenvölkern eine Bleibe zu geben. Inzwischen hat auch er Beete angelegt, das Gemüse wächst, die Blumenstauden stehen gut. Ein Hingucker ist seine neue Gartenlaube im modernen Design. „Daran arbeite ich schon drei Monate“, verrät der Henstedt‐Ulzburger. „Immer mehr der alten Holzlauben sind jetzt um die 35 Jahre alt und auf“, berichtet Hellmann. Neue Pächter wünschen sich ein neues Gartenhaus, das sie auf eigene Kosten errichten. Die Pacht im Jahr für einen Kleingarten beträgt 40 Euro, mit Nebenkosten wie Wasser und der Vereinszeitschrift kommt man auf etwa 200 Euro im Jahr, die einen der Garten kostet, rechnet Michael Nitsche vor. Stromanschluss und sanitäre Anlage hat keiner der Gärten. Dafür gibt es das Vereinsheim im Eingangsbereich der Anlage. Hellmann und Nitsche freuen sich bereits darauf, wenn dort auch wieder zusammen gefeiert werden darf.

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Bericht über den Verein in der Norderstedter Zeitung

Copyright (C) für Fotos und Text: Hans-Eckart Jaeger

Mein Verein . . . hat viele Gärtner und Selbstversorger

Heute stellen wir Ihnen den Verein der Gartenfreunde Henstedt-Ulzburg vor. Seit 1965 sitzen die Schrebergärtner an der Kisdorfer Straße.

Der Verein der Gartenfreunde Henstedt-Ulzburg e.V.

"Die schwarzen Johannisbeeren in meinem Garten schmecken köstlich", sagt Christel Schwanck und pflückt eine Handvoll der herbsüßen Früchte von einem ihrer Sträuche. Dann sucht sich die passionierte Schrebergärtnerin ein schattiges Plätzchen und nascht munter drauflos. Auch Aiko, der neun Jahre alte Golden Retriever, hat es sich in einer Ecke bequem gemacht und schaut Frauchen zu. Die Sonne brennt vom Himmel, das Thermometer zeigt 30 Grad Celsius.
"Fünf Minuten Ruhepause, mehr gönne ich mir nicht", sagt Christel Schwanck. Seit 24 Jahren ist die pensionierte Küsterin der Erlöserkirche Henstedt Mitglied des Vereins der Gartenfreunde. Auf ihrer 400 Quadratmeter großen Parzelle in der Anlage Up' Hundbarg hat Ehemann Joachim ein schmuckes Gartenhaus gebaut, hier haben sie sich im Laufe der Zeit ein kleines Paradies geschaffen.
"Viele Menschen fahren bei schönem Wetter an die Nord- oder Ostsee, wir haben hier unsere Freude", sagt Christel Schwanck. Ein Blumenmeer, wohin sie auch schaut. Auch in den Nachbargärten blühen Rosen, Fleißige Lieschen, Tagetes, Petunien und Männertreu. Mohn, Phlox und Herbstastern mag sie in den verschiedenen Jahreszeiten am liebsten. Frauenmantel und Storchenschnabel schneidet sie schon zurück, doch bald blühen sie wieder.
Seit 36 Jahren hegen und pflegen die Hellmanns ihre Parzelle.
Nicht nur Blumen wachsen in den Kleingärten an der Kisdorfer Straße. "Wir müssen die Richtlinien des Bundeskleingartengesetzes beachten - und das bedeutet Drittelteilung der Parzellen", sagt Wolfgang Hellmann, 62. "Je ein Drittel muss für Obst- und Gemüseanbau, für Blumen und Grünflächen sowie für Gartenlaube, Wege und Freizeitfläche verwendet werden."
Seit 36 Jahren hegen und pflegen Elke und Wolfgang Hellmann ihre Parzelle, und sie achten streng darauf, dass dem Gesetz Genüge getan wird. Seit fünf Jahren ist der Lufthansa-Flugzeugwart im Vorruhestand die Nummer eins im Verein der Gartenfreunde, zuvor war er 20 Jahre lang stellvertretender Vorstandschef.
Und weil es Regeln gibt, blühen im Frühjahr, Sommer und Herbst nicht nur Rosen, Tulpen und Narzissen, es wachsen und gedeihen auch Kartoffeln, Zwiebeln, Salate, Tomaten, Gurken und Schnittlauch. Und an den Bäumen reifen Kirschen, Äpfel, Birnen und Pflaumen. Nicht jeder Gärtner hält die Regeln ein. "Zum Glück sind aber die Zeiten, als Prüfer mit dem Zentimetermaß durch die Parzellen marschierten, vorüber", sagt Wolfgang Hellmann.
Keiner seiner Mitglieder setzt heute noch Pflanzenschutzmittel ein oder verstößt irgendwie gegen die Regeln des ökologischen Anbaus. "Wir wollen chemiefreie Früchte und Gemüse ernten und essen", sagt der Vereinschef der Gartenfreunde. "Und deshalb halten wir uns an die Vorschriften."
Auf Herbizide und Insektizide wird in den Parzellen komplett verzichtet
Das bestätigt auch der Umweltreport der Gemeinde. "Da nach wie vor auf Herbizide und Insektizide zur Unkraut- und Insektenbekämpfung verzichtet wird, der Heckenschnitt nach der Brutsaison der Vögel erfolgt und die umliegenden Knicks gepflegt werden, hat sich die reichhaltige Tierwelt gut erhalten", heißt es im aktuellen Report.
Typische Vertreter intakter Gartenbiotope können beobachtet werden: Igel, Erdkröte, Grasfrosch, Zaunkönig, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle und Hausrotschwanz.

Niemand wohnt in seinem Gartenhaus, denn es gibt keinen Strom und kein fließendes Wasser. Sanitäre Anlagen wie WC oder Waschmöglichkeiten sind nur in dem vor 19 Jahren mit finanzieller Hilfe der Gemeinde und durch Eigenleistungen erbauten Gemeinschaftshaus vorhanden. "Hier findet unser Vereinsleben statt", sagt Wolfgang Hellmann, "wir feiern im Frühsommer das traditionelle Gartenfest, und hier wollen wir im Oktober auch unser Jubiläum begehen."
Die Parzellen der Gartenfreunde sind zu internationalen Begegnungsstätten geworden. "Wir haben Mitglieder aus Kasachstan, Iran, Türkei, Lettland, Weißrussland, Malaysia und Polen", sagt Hellmann. Viele der Migranten bearbeiten ihre Gärten nach alter Sitte. Eines aber haben alle Gartenfreunde gemeinsam: Sie wollen sich erholen und entspannen und außerdem noch im Freien körperlich tätig sein.
Das sagt auch Jutta Kruse, die seit 25 Jahren jeden Tag in ihrem Garten nach dem Rechten schaut. "Morgens um 6 Uhr schließe ich meine Gartenpforte auf, abends um 18 Uhr fahre ich wieder nach Hause", erzählt die 74-Jährige. Stolz ist sie auf ihren Teich, in dem sich Goldfische tummeln, wo Seerosen blühen und sich rasch vermehren. Ihr Sohn Manfred, dem sie die Parzelle bereits überschrieben hat, steht ihr hilfreich zur Seite.
Christel Schwanck, die ein paar hundert Meter entfernt eine Doppelhaushälfte bewohnt und dort einen Ziergarten hat, deckt sich in ihrem Schrebergarten regelmäßig mit Obst, Gemüse und Früchten ein. "Wenn ich Petersilie brauche, gehe ich rasch mal hinüber", sagt sie.
Heute will sie einen leckeren gemischten Salat auf den Tisch bringen. Alles kommt aus ihrem Garten: Eisbergsalat, Lollo Rosso und Rucola, dazu Dill, Schnittlauch und Petersilie. "Nur das Dressing muss ich noch im Laden kaufen", sagt sie.

Auf dem Gelände einer Gärtnerei fing alles an
Der Verein  der Gartenfreunde Henstedt-Ulzburg wurde 1948 gegründet. Erster Name: Kleingarten-Verein Henstedt. Erster Standort war das ehemalige Gelände der Gärtnerei Hamdorf an der Maurepasstraße.
Am 14. Januar 1965  siedelten die Schrebergärtner zum jetzigen Standort Hundsmoor an der Kisdorfer Straße um. Hier stehen heute noch 14 Parzellen. Schräg gegenüber, auf der Anlage Up' Hundsbarg, kamen nach und nach insgesamt 68 Parzellen hinzu. Die Gartengrößen liegen bei 250 bis 570 Quadratmeter, im Schnitt sind es 400 Quadratmeter. Die Gesamtfläche beider Anlagen beträgt 41.000 Quadratmeter. Der Verein hat zurzeit 154 Mitglieder, davon sind 82 Hauptpächter, 64 Zweitmitglieder und acht fördernde Mitglieder. Im Oktober soll es aus Gründen des 65-jährigen Bestehens eine Jubiläumsfeier geben.
In Deutschland  gibt es knapp eine Million Parzellen, davon 650.000 in den östlichen Bundesländern.
"Hin und wieder  haben wir Parzellen zur Weiterverpachtung frei", sagt Vereinsvorsitzender Wolfgang Hellmann. Informationen gibt es unter der Telefonnummer 04193/2468 (Wolfgang Hellmann).



 



 



  

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